EINAR WAR DA: Motorpsycho, Stollwerck, Köln, 17.4.2012

Die Progifizierung Motorpsychos scheint in ihrem Endstadium angelangt zu sein: Nicht nur, dass die Rückseite der Bühne auf ganzer Breite mit einem Fantasy-Panorama verhangen ist, das wie eine nicht uncoole Version eines Roger Dean-Covers aussieht (okay – Roger Dean und cool gehen schlichtweg überhaupt nicht zusammen)(kennt jemand das Cover der Spät-80er It Bites-Platte „Eat Me in St Louis“??? Dann wisst ihr was ich meine…), nein, bei Betreten des Venues wurde mir auch ein „Programm“ in die klammen Hände gedrückt, als wär ich in Schauspielhaus oder Philharmonie. Das klassische Orchester von der neuen Platte hat die Band zumindest daheim gelassen, aber der Bühnenaufbau zeigt unmissverständlich, dass heute mehr als die Stammbelegschaft spielen wird: Hinzu gesellt sich der obertolle Ståle Storløkken of Supersilent Fame, sein Ensemble aus Keyboards und E-Piano sieht vielversprechend aus.

Als die Jungs die Bühne betreten, fällt nicht nur die Double Neck Guitar von Hans Magnus Ryan in’s Auge – how Prog can you go?? – sondern auch, dass Kenneth Kapstads Set tatsächlich mit doppelter Bass Drum und sechs Toms ausgestattet ist! Und Ståle Storløkken trägt einen langen weißen Umhang, ist das jetzt eine Anspielung auf Jon Anderson? Oder gar auf Keith Emerson?? Nein, das ginge dann doch entschieden zu weit. Seine Performance zumindest hat nichts von alledem, wie immer spielt er die schweinischsten aller denkbaren Keyboards, sein Sound passt zu Motorpsycho wie der Lachs zur Schaumspeise – sehr, sehr scharf!! Die Band führt, wie schon im Programmheftchen warnend erwähnt, ihr neues Werk in ganzer Länge auf, bevor sie dem Volk zu liebe auch ein paar ältere Sachen zum besten gibt. Aber worum geht es in diesem Konzeptalbum denn überhaupt? Einhörner? Abenteuer auf den Weltmeeren? Sollte das alles dann doch eher eine Pissnahme sein?

Tut aber auch nichts zur Sache, denn ihr Sound ist geil, sie haben hörbaren Spaß an den mehr komplexen Arrangements der jüngeren Platten, und bei aller Prog-Lastigkeit sind Motorpsycho einfach immer noch viel zu erdverbunden, um in eine Schublade mit all den Neo-Prog-Bands gesteckt zu werden, die derzeit aus den Einhornlöchern der Welt gekrochen kommen. Nein, ihre Musik hat nichts zu tun mit dem anal-retentiven Gehabe, das Platten wie die letzte Opeth-LP so überkontrolliert und totarrangiert klingen lässt, als versuchte die Band in ihren eigenen Arsch zu kriechen. Motorpsycho hingegen lassen sich von allen Einhörner den Flow nicht verderben, sie bleiben weiterhin unverschämt cool (!). Wir brauchen (noch viel) mehr davon!!

Motorpsycho @ Stollwerck

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