EINAR WAR DA: Fushitsusha, Stadtgarten, Köln, 13.10.2012

Keiji Haino ist der Gitarrenderwisch mit den langen, aschgrauen Haaren, den schwarzen Klamotten und der nie vom Gesicht weichenden, schwarzen Sonnenbrille. Er sieht nicht wirklich aus wie ein Albino, sondern eher, als sei ihm ein Gewitterblitz in den Körper gefahren. Dazu passt sein Gitarensound: ein klirrender, schreiender, infernaler Krach, der nichtsdestotrotz oft ein erstaunliches Maß an Brillianz und auch Eleganz ausstrahlt. So beginnt auch sein Konzert an diesem Abend im Stadtgarten. Seine Klangskulpturen, für die er ein Arsenal an Effektgeräten und eine stolze Wand aus Verstärkern benötigt, sind in der Tat ein Ohrenschmaus.

Der Veranstalter Till Kniola (aufabwegen) ist mächtig stolz, dass Haino sein einiges Deutschlandkonzert dieser Tournee mit seinem Noiserock-Trio Fushitsusha in Köln spielt. Während Haino ein häufiger Gast im deutschen Lande ist, stand er mit Fushitsusha offensichtlich noch nie auf einer hiesigen Bühne. Die Band hat seit Gründung 1978 viele tolle und bahnbrechende Platten gemacht und erheblichen Einfluss auf mehrere Generationen Noiserock-affiner Musiker gehabt.

Leider hat Haino am heutigen Abend kein großes Interesse an Interaktion mit seinen Mitmusikern. Bei den meisten Songs sind Bassist Futoshi Kamekawa und Schlagzeuger Ryosuke Kiyasu sträflich unterbeschäftigt. Wenn die Band aufdrehen kann, ist die Musik scharf — und erinnert an das brilliante Trio Hainos mit Jim O’Rourke und Oren Ambarchi. Meist aber bestehen die Stücke, ähnlich wie auf der letzten Platte der Band, aus einem stotterndem Wechsel zwischen Mid-Tempo-Geschrammel und kurzem Aufbrausen, dem ich wenig abgewinnen kann. Das klingt dann weniger psychedelisch als schlicht psycho.

Warten wir also auf seine nächste Tournee, vielleicht bringt er ja dann O’Rourke und Ambarchi (und ein größeres Interesse am Zusammenspiel) mit.

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